München-Freimann, Fröttmaninger Heide
 



 

 

 

 

 

 

 

 

Fröttmaninger Heide, Schotterfluren und lichter Kiefernwald
Einstmals eines der wertvollsten Gebiete nicht nur für Tagschmetterlinge in Oberbayern
Lebensraum von ehemals knapp 50 Tagfalterarten, etwa die Hälfte davon steht auf der Roten Liste

Aktuell noch etwa 220 ha überwiegend degenerierte Heideflächen und Kiefernwälder am Nordrand des Münchener Stadtgebietes. Zuletzt als Standortübungsplatz genutzt. Mit dem Abzug der meisten Kasernen aus München fiel auch die militärische Nutzung der Fröttmaninger Heide inzwischen weg. Teilflächen im Süden (etwa 30 ha z.t. sehr artenreicher Heidevegetation) wurden ab 1995 mit Wohnungen überbaut. Weitere Verluste lichter Kiefernwaldbereiche ab 1997 durch Waldnachverdichtungen (z.t. wieder rückgängig gemacht). Durch Schüttung eines Dammes und Aufforstungen der z.t. floristisch und faunistisch wertvollsten Teilbereiche am Südrand sowie im Nordosten durch die Bundesforstverwaltung ab 1999 irreversible und völlig unnötig massivste Schädigungen (etwa 20 ha), die - völlig unbegreiflich – unverändert fortdauern. Insgesamt hat sich das Gebiet in den vergangenen 20 Jahren erschreckend negativ verändert. Aktuell (seit ein paar Jahren) wird die Heide zwar wieder mit Schafen beweidet, allerdings in unerträglichem, natur- und artenschutzwidrigem Umfang, verbunden mit weiteren massiven Schädigungen.

Die Heide dementsprechend heutzutage (etwa seit 2005) über weite Strecken tagfalter- und heuschreckenfrei, von ein paar häufigen ubiquitären Arten abgesehen. Das für Heidevegetation typische und in den 90er Jahren des 20. Jh. noch vorhandene Artenspektrum weitestgehend erloschen. Verblieben sind etwa 6-7 ha floristisch und faunistisch noch als Heide ansprechbare Bereiche im wohnnahen und entsprechend durch Freizeitnutzung stark genutzten Südteil. Im Norden dominieren artenarme, bezüglich des Artenschutzes unergiebige Grasfluren, die allerdings ein riesiges Restitutionspotenzial darstellen würden. Hier sollte großflächig der nährstoffreiche Oberboden abgetragen werden. Durch zu intensive Schafbeweidung sind diese Teilflächen aktuell +/- blütenfrei. 
Die Heide im Ostteil wurde durch die militärische Nutzung in den 80er und 90er Jahren in eine Kieswüste umgewandelt, dort heute ameisenreiche Ruderalvegetation, Kleingewässer und Weidensukzessionsfluren. Durchsetzt werden die Schafweiden von – einstmals lichten – Kiefernwäldern, dem nördlicheren, autobahnnahen Kleinen Hart (etwa 4 ha) und dem Großen Hart (etwa 15 ha) im siedlungsnahen Teil sowie der Kiefernwäldchen am Ostrand (etwa 8 ha) zur U-Bahn hin. 

Bleibt zu hoffen dass die Ausweisung als FFH-Gebiet, die eigentlich weitere Verschlechterungen untersagt (allerdings, wen interessiert´s) sowie die Übernahme der Fröttmaninger Heide durch den Heideflächenverein die eingetretenen massiven Artenverluste wenigstens teilweise bremsen und vielleicht auch die Heide wieder qualitativ entwickeln kann. Für Optimismus besteht leider derzeit überhaupt kein Grund, höchstens dahin gehend, das es eigentlich noch schlechter gar nicht mehr geht (und es geht doch schlechter)...

Übersicht zu den einstmals für das schwer geschundene Gebiet charakteristischen Tagfalterarten



 

 

 

 

 

 

 

 

Fröttmaninger Heide (Herbst 2004), Kalkheide, Kiefernwald und Bau der neuen Fußballarena  


            

Lichter Kiefernwald (1995), zwischenzeitlich nachverdichtet 


   Aufforstung von besonders artenreichen Schotterfluren (Mai 1998),
Vorkommen zahlreicher +/- gefährdeter Tier- und Pflanzenarten




Fröttmaninger Heide (Herbst 2004), vorne Aufforstung 
besonders artenreicher Heideflächen, im Hintergrund Bau der Fussballarena



Kiefernwaldlichtung (1997), zwischenzeitlich aufgeforstet,
1997 noch u.a. Rostbinde, Blauflügelige Ödlandschrecke und Laubfrösche




Relikt früherer militärischer Nutzung:
Panzerwege




Der Wert der Fröttmaninger Heide beruht auf dem Nebeneinander 
blütenreicher Heideflächen, vegetationsarmer Schotterfluren und lichter Kiefernwälder




Fröttmaninger Heide 1997 vom nahen Großlappener Schuttberg


 



Pyrgus armoricanus 10.09.1997
Fundstelle zwischenzeitlich aufgeforstet

 

 


Artenliste Fröttmaninger Heide (eigene Beobachtungen seit 1994):
(fett hervorgehoben die naturschutzbedeutsamen Arten)
Schmetterlinge
Tagfalter (45 Arten)

Papilio machaon (Schwalbenschwanz)
Pieris brassicae (Großer Kohlweißling)
Pieris rapae (Kleiner Kohlweißling)
Pieris napi (Rapsweißling)
Anthocharis cardamines (Aurorafalter)
Colias hyale (Goldene Acht)
Colias alfacariensis (Hufeisenkleegelbling)
Gonepteryx rhamni (Zitronenfalter)
Inachis io (Tagpfauenauge)
Aglais urticae (Kleiner Fuchs)
Polygonia c-album (C-Falter)
Vanessa atalanta (Admiral)
Vanessa cardui (Distelfalter)
Araschnia levana (Landkärtchen)
Argynnis paphia (Kaisermantel)
Argynnis adippe (Feuriger Perlmuttfalter)
Issoria lathonia (Kleiner Perlmuttfalter)
Boloria euphrosyne (Früher Perlmuttfalter)
Boloria selene (Sumpfwiesen-Perlmuttfalter)
möglicherweise nach 2000 erloschen, keine eigenen aktuellen Beobachtungen mehr
Boloria dia (Magerrasen-Perlmuttfalter)
möglicherweise nach 2000 erloschen, keine eigenen aktuellen Beobachtungen mehr
Melanargia galathea (Schachbrett)
Hipparchia semele (Rostbinde) aktuell (2010 und 2011) nicht mehr gefunden, aller Wahrscheinlichkeit nach langwierigem Komazustand endgültig erloschen,  im Großen Hart etwa um 2005, im Kleinen Hart zuletzt 2009, letztes Vorkommen in S-Bayern...das war´s dann....
Erebia medusa (Frühlings-Mohrenfalter)
Bestand massiv rückläufig (insbesondere wohl infolge der Überbeweidung)
Maniola jurtina (Großes Ochsenauge)
Aphantopus hyperantus (Schornsteinfeger)
Coenonympha pamphilus (Kleines Wiesenvögelchen)
Coenonympha arcania (Weißbindiges Wiesenvögelchen) möglicherweise nach 2000 erloschen, keine eigenen aktuellen Beobachtungen mehr
Pararge aegeria (Waldbrettspiel)
Lasiommata maera (Braunauge) möglicherweise nach 2000 erloschen, keine eigenen aktuellen Beobachtungen mehr
Callophrys rubi (Brombeer-Zipfelfalter)
möglicherweise nach 2000 erloschen, keine eigenen aktuellen Beobachtungen mehr
Lycaena phlaeas (Kleiner Feuerfalter)
Cupido minimus (Zwerg-Bläuling) Einzelbeobachtungen
Plebeius idas (Idas-Silberfleckbläuling)
in den durch militärischen Nutzung stark geschädigten Ostteil unverändert häufig
Aricia agestis (Sonnenröschen-Bläuling)
aktuell nur noch Einzelbeobachtungen, in den 90er Jahren des letzten Jh. noch zahlreich anzutreffen
Polyommatus coridon (Silber-Bläuling)
Bestand in den letzten Jahren erloschen
Polyommatus bellargus (Himmelblauer Bläuling)
einzige für Heidevegetation typische Tagfalterart, deren Bestand auf der Fröttmaninger Heide noch einigermaßen gesichert ist, in den 90er Jahren noch zahlreich, aktuell +/- nur noch im siedlungsnahen Südteil in deutlich geringerer Anzahl (bedingt wohl vorrangig durch Aufforstungen und Überbeweidung)
Polyommatus icarus (Hauhechel-Bläuling)
Carterocephalus palaemon (Gelbwürfeliger Dickkopffalter)
Thymelicus acteon (Mattscheckiger Braundickkopffalter) RL By 3, einstmals südlichstes Vorkommen in Bayern, im Naturraum vom Aussterben bedroht, wohl infolge der massiven Nachforstungen und der artenschutzwidrigen Schafbeweidung erloschen, einstmals im Bereich des Großen und Kleinen Hartes
Hesperia comma (Komma-Dickkopffalter)
2011 ein paar Falter im stadtrandnahen Teil, 1995 noch in großer Zahl (etwa 80 Ex.) v.a. im Umfeld des Großen Hartes, dort aktuell durch Überbeweidung nicht mehr vorkommend
Ochlodes sylvanus (Rostfarbener Dickkopffalter)
Erynnis tages (Kronwicken-Dickkopffalter) RL By V, in den letzten Jahren kaum noch beobachtet
Spialia sertorius (Roter Würfeldickkopf)
RL By 3 in den letzten Jahren kaum noch beobachtet
Pyrgus malvae (Kleiner Würfeldickkopf)
Pyrgus armoricanus (Zweibrütiger Würfeldickkopf) RL By und D 1 (vom Aussterben bedroht), in den letzten Jahren nur noch wenige Einzelbeobachtungen, einstmals gute Fundstellen durch Aufforstung oder intensiver Schafbeweidung entwertet

 

Nachtfalter

Aspitates gilvaria
By T/S 0
Autographa gamma
Callistege mi
Deltote bankiana
Diacrisia sannio
Ematurga atomaria
Euclidia glyphica
Heliothis viriplaca
Hemaris fuciformis
Lasiocampa trifolii
Macrothylacia rubi
Nomophila noctuella
Notodonta ziczac
Oncocera semirubella
Pyrausta purpuralis
Scopula ornata
Scopula rubiginata
Smerinthus ocellata
Zygaena filipendulae
Zygaena loti

Heuschrecken (13 Arten)

Leptophyes punctatissima (Punktierte Zartschrecke)
Tettigonia viridissima
(Grünes Heupferd)
Metrioptera roeselii (Rosels Beißschrecke)
Metrioptera bicolor (Zweifarbige Beißschrecke) Bestand durch Überbeweidung weitgehend erloschen, 2011 nicht mehr gefunden....
Tetrix tenuicornis (Langfühler-Dornschschrecke)
Oedipoda caerulescens (Blauflügelige Ödlandschrecke) 2010/2011 nur noch lokal wenige Individuen
Euthystira brachyptera (Kleine Goldschrecke)
Stenobothrus lineatus (Heidegrashüpfer) 2010/2011 nur noch lokal wenige Individuen im S-Teil
Stenobothrus stigmaticus (Kleiner Heidegrashüpfer) in den letzten Jahren nicht mehr gefunden, wohl erloschen
Myrmeleotettix maculatus (Gefleckte Keulenschrecke) einzige für Heideflächen typische Heuschreckenart, die sich einigermaßen halten konnte...
Chorthippus biguttulus (Nachtigall-Grashüpfer)
Chorthippus brunneus (Brauner Grashüpfer)
Chorthippus parallelus (Gemeiner Grashüpfer)