München, Rangierbahnhof Nord



Juli 1994

Zur Artenliste Rangierbhf M-Nord und Sanddornmagerwiese M-Fasanerie



Mai 1997

Blick vom nördlichen Lärmschutzwall des neuen Münchner Rangierbahnhofes Richtung Olympiaturm. Das in den Dreißiger Jahren abgeschobene, mehrere Hundert Hektar große Areal des Rangierbahnhofgeländes blieb 50 Jahre lang der Natur überlassen. Bis zum Baubeginn 1988 war das Gelände mitten in München ein einzigartiges Naturparadies mit höchst interessanten und artenreichen Vegetationstypen, darunter Sanddorndickichte, Sekundär-Birkenwald, amphibien- und libellenreiche Tümpel sowie blüten- und insektenreiche Magerwiesen. So gab es hier bis zur Zerstörung im Jahre 1988 die größte Kolonie der Wechselkröte in Deutschland und Brutbestände des Neuntöters. Heute bestimmen gigantische Lärmschutzwälle das Landschaftsbild, beim Ausblick von der neuen Brücke der Dachauer Straße offenbaren sich beim Blick über die Gleiswüste die wahren Ausmaße der Naturzerstörung. Trotz aller Zerstörung ist das gesamte Gebiet aber auch heute noch als naturnah anzusprechen. Die Lärmschutzwälle und Wegränder sind derzeit reich an Schmetterlingsblütlern, z.B. Hornklee (Lotus corniculatus), Bunte Kronwicke (Coronilla varia), Luzerne (Medicago sativa) und Weißer Steinklee (Melilotus albus). An den sonnigen Südhängen finden sich Massenbestände der Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe), desweiteren kommen Wermut (Artemisia absinthium), Natternkopf (Echium vulgare), Gelbe Resede (Reseda lutea), die dornige Hauhechel (Ononis spinosa), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor) und einiger Sanddorn vor. Auch in Bezug auf die Tagfalterwelt ist das Rangierbahnhofgelände noch durchaus interessant. Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) nutzt die Lärmschutzwälle zur Gipfelbalz (=Hilltopping), der Silberfleck-Bläuling Lycaeides idas fliegt, wenn auch eng begrenzt, immer noch in sehr hohen Populationsdichten auf engstem Raum und der Rundaugen-Mohrenfalter (Erebia medusa) sowie das Große Ochsenauge (Maniola jurtina) sind immer noch häufig anzutreffen. Auch die für vegetationsarmes Gelände charakteristische Blauflügelige Ödlandheuschrecke (Oedipoda caerulescens) kommt noch häufig vor. (Text von 1996)